Home | Modulare Ladeinfrastruktur Planung | Hausanschlusskapazität: 37 realen Mehrfamilienhaus-Lastprofilen analysiert
Mehrfamilienhäuser rufen im Mittel nur 7 % der laut DIN 18015 definierten Hausanschlussleistung ab – selbst in Spitzenphasen werden im Schnitt nur 43 % erreicht.


Die in der Praxis gemessenen Anschlusslasten in Wohngebäuden liegen im Durchschnitt deutlich unter den konservativen Annahmen der DIN 18015. Während die Norm eine verlässliche Grundlage für standardisierte Planung bietet, kann sie zu einer Überdimensionierung von Hausanschlüssen und Verteilnetzen führen. Unsere Messergebnisse zeigen das Ausmaß dieser Überdimensionierung.
Dynamische Lastmanagementsysteme erweisen sich als effektives Mittel, um die bestehende Anschlusskapazität effizient auszunutzen und gleichzeitig auf einen kostspieligen Ausbau der Infrastruktur zu verzichten. Sie ermöglichen eine flexible Integration von Ladeinfrastruktur auch in Bestandsgebäuden. Würden Messsensoren bundesweit einfacher im geeigneten Hausanschlusskasten zugelassen, wäre die Nachrüstung in fast allen Gebäuden wirtschaftlich machbar.

Die Elektrifizierung des Verkehrs stellt neue Anforderungen an die elektrische Infrastruktur von Wohngebäuden. Bei der Nachrüstung von Ladepunkten – insbesondere in Mehrparteienhäusern – stellt sich regelmäßig die Frage, ob die bestehende Netzanschlusskapazität ausreicht oder ob zusätzliche Maßnahmen wie ein dynamisches bzw. phasenbalanciertes Lastmanagementsystem oder sogar ein Anschlussausbau erforderlich sind.
Zur Abschätzung, wie viel zusätzliche Leistungsentnahme der Hausanschluss eines Gebäudes verträgt, wird häufig folgende vereinfachte Rechnung verwendet:
Absicherung des Hausanschlusses – rechnerisch maximal zu erwartende Gleichzeitlast des Gebäudes
= verbleibende Anschlussleistung für Ladeinfrastruktur oder sonstige Anwendungen
Die DIN 18015-1 ist eine etablierte Planungsgrundlage für die Auslegung von Hausanschlüssen in Wohngebäuden. Sie bietet einen schnellen und standardisierten Ansatz, insbesondere bei der Bestimmung des Anschlusswerts auf Basis der Anzahl der Wohneinheiten.
Zentrale Bestandteile sind die Leistungskurven A und B:
Zusätzliche technische Anlagen wie Aufzüge, Lüftungsanlagen, Wärmepumpen oder Ladeinfrastruktur müssen gesondert berücksichtigt werden, da sie in den DIN-Kurven nicht enthalten sind.
Die Norm basiert auf statischen Annahmen, die reale Verbrauchsmuster oft nicht widerspiegeln. In der Praxis zeigt sich daher häufig: Der nach DIN 18015 berechnete Hausanschlusswert liegt deutlich über der tatsächlichen Spitzenlast, die im laufenden Betrieb gemessen wird.

Im Rahmen verschiedener Ladeinfrastrukturprojekte in Wohngebäuden haben wir an vielen Standorten Langzeitmessungen durchgeführt. Ziel dieser Messungen war die konkrete Planung einer Ladeinfrastruktur, insbesondere die Bewertung der vorhandenen Netzanschlusskapazität und der Notwendigkeit eines Lastmanagementsystems.
Die Messungen erfolgten in 37 Wohngebäuden mit insgesamt 494 Erfassungstagen. Die Gebäude waren heterogen in Bezug auf Ausstattung, Baualter und technische Infrastruktur. Teilweise verfügten sie über:
Gemessen wurde der Phasenstrom an allen drei Außenleitern direkt am Hausanschluss. Die Daten wurden im 10-Sekunden-Takt erfasst und zu 1-Minuten-Mittelwerten aggregiert. Kurzzeitige Spitzen, etwa durch das Einschalten großer Verbraucher, können über den ausgewiesenen Werten liegen – wurden in dieser Auswertung jedoch nicht separat betrachtet.
Zwei Kennwerte standen im Fokus der Auswertung:


Die Ergebnisse wurden jeweils in Relation zum DIN-Referenzwert des Gebäudes gesetzt, der aus der zugehörigen Leistungskurve (A oder B) abgeleitet wurde. Da in vielen Fällen keine individuelle Leistungsaufstellung der Gebäudeeigentümer vorlag, orientierten wir uns – analog zur gängigen Praxis bei Netzbetreibern – ebenfalls an der DIN 18015.

Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass die tatsächliche Last im Betrieb auch bei Gebäuden mit zusätzlichen technischen Anlagen wie Aufzügen, Lüftungsanlagen, Wärmepumpen oder Ladepunkten häufig deutlich unter dem nach DIN 18015 angenommenen Wert liegt.

Dies zeigt, dass dynamische Lastmanagementsysteme das Potenzial haben, einen erheblichen Teil der Netzanschlusskapazität für Ladeinfrastruktur effizient zu nutzen, ohne dass technische Verstärkungen am Anschluss erforderlich sind.
Die maximale Dauerbelastung des Hausanschlusses liegt üblicherweise bei etwa 80 % der Nennleistung der Sicherung. Daher können Sie in einem modernen Mehrfamilienhaus erwarten, dass bei Einsatz eines dynamischen Lastmanagementsystems rund 70 % der Anschlussleistung für die Ladeinfrastruktur und ähnliche Anwendungen zur Verfügung stehen.

Mit einer Lastgangmessung und zugehöriger Analyse können wir und auch Sie besser einschätzen, wie Ihr derzeitiger Stromverbrauch aussieht und ob es sich lohnt in Themen wie Ladeinfrastruktur und Photovoltaik zeitlich sowie finanziell zu investieren.
Dynamische Lastmanagementsysteme bieten die Möglichkeit, die vorhandene Netzanschlusskapazität in Wohngebäuden deutlich besser auszuschöpfen. Dabei erfolgt die Steuerung der Ladeleistung flexibel und bedarfsorientiert, abgestimmt auf die aktuelle Netzbelastung – nicht nur auf die Gebäudelast. Damit stellen sie eine zukunftsweisende Ergänzung dar, um die Elektromobilität wirtschaftlich und netzfreundlich zu integrieren.
Unser Ladeinfrastruktur-Leistungskalkulator unterstützt Sie dabei, sowohl den Leistungsbedarf als auch die Anschlusskapazität sowie die für Ihr E-Mobility-Projekt verfügbaren Reserven zu ermitteln.
Prüfen Sie Ihre Projektoptionen in einer klar verständlichen Übersicht.
Ein Beispiel dafür wäre die Ermöglichung der Installation von Messsensoren direkt im Hausanschlusskasten – ein vergleichsweise einfacher Schritt, der zusätzlichen Investitionsaufwand vermeiden könnte. Darüber hinaus wäre eine bundesweite Vereinheitlichung der Vorschriften hier sinnvoll.

Die oft konservative Bemessung führt zu einer hohen Vorhaltung von Netzkapazitäten, die wahrscheinlich nie vollständig genutzt werden. Die vorliegenden Daten unterstreichen die Notwendigkeit, die Niederspannungsverteilnetze weiter zu digitalisieren und eine bessere Transparenz über die tatsächliche Auslastung zu schaffen, um Ressourcen effizienter zu steuern und zukünftig Optimierungspotenziale zu heben.

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